Rotkohl-Rettich-Pie: Vom Wintergruß im Frühling
Es gibt diese Momente, in denen der Inhalt der Gemüsekiste leise eine kleine Geschichte erzählt. Kein lautes Supermarkt-Versprechen von „jetzt ganz frisch“, sondern eher ein ruhiger Hinweis darauf, dass Jahreszeiten nicht immer exakt am Kalender hängen. In meiner letzten Lieferung aus der solidarischen Landwirtschaft lagen tatsächlich noch zwei feste, dunkelviolette Rotkohlköpfe. Im April. Für viele ist die Rotkohlzeit da längst gedanklich abgehakt – gedanklich irgendwo zwischen Advent und Sonntagsbraten verstaut. Aber wer regelmäßig Gemüse aus gemeinschaftlich getragener Landwirtschaft bekommt, weiß: Saison bedeutet nicht nur Erntefenster, sondern auch Lagerfähigkeit, Geduld und Vertrauen in natürliche Zyklen.
Rotkohl gehört zu den klassischen Lagergemüsen, die uns über die kälteren Monate hinweg begleiten können. Gut gelagert hält sich ein ganzer Kopf mehrere Wochen bis Monate und bildet damit eine wichtige Brücke zwischen alter und neuer Ernte. Genau das macht solidarische Landwirtschaft für mich so besonders: Man isst nicht nur „saisonal“, sondern auch realistisch. Nicht alles ist jederzeit verfügbar, manches kommt überraschend spät – und genau darin liegt eine gewisse kulinarische Spannung. Während draußen langsam die ersten zarten Frühlingsaromen sprießen, bringt ein Rotkohl aus der Lagerernte noch einmal Tiefe, Erdigkeit und eine satte Farbe auf den Teller.
Gerade in dieser Übergangszeit entstehen oft die interessantesten Rezept-Kombinationen. Der Rotkohl trifft auf frische, knackige Komponenten wie Rettich, die bereits Lust auf Frühling machen, ohne den Winter ganz loszulassen. Diese kleinen Überschneidungen zeigen, dass saisonales Kochen nichts Starres ist, sondern eher ein fließender Prozess. Und manchmal ist es eben genau der letzte Kohlkopf, der noch einmal kreative Energie freisetzt – weil er nicht mehr selbstverständlich ist.
Herzhaftes Wohlfühlgericht mit unerwarteter Füllung: der Rotkohl-Pie
Der Rotkohl-Rettich-Pie gehört zu diesen Rezepten, die vertraute Zutaten in einen neuen Kontext bringen. Statt klassisch geschmort, wandert der Kohl hier in eine herzhafte Pie-Füllung und zeigt sich von einer überraschend vielseitigen Seite. Rotkohl hat ein leicht süßliches, angenehm kräftiges Aroma und harmoniert besonders gut mit fruchtigen oder würzigen Begleitern. In Kombination mit dem etwas scharfem Rettich entsteht eine Balance aus Tiefe und Frische, die den Pie gleichzeitig gemütlich und lebendig wirken lässt.
Vielleicht passt dieses Gericht gerade deshalb so gut in den April: Es verbindet die letzten Vorräte aus der Winterküche mit der Vorfreude auf leichtere Tage. Ein Pie ist immer auch ein kleines Versprechen von Gemütlichkeit – ein Essen, das Zeit braucht und sie gleichzeitig ein bisschen anhält. Während der Ofen arbeitet, darf der Blick ruhig noch einmal zurückgehen: auf volle Erntekisten im Herbst und auf die Idee, Verantwortung für Lebensmittel zu teilen. Solidarische Landwirtschaft bedeutet eben auch, dass man das isst, was da ist – und dabei oft neue Lieblingsgerichte entdeckt.
Bohnenkraut –
unterschätzte Würze mit Charakter
Eine wichtige Rolle in diesem Rezept spielt das Bohnenkraut. Das aromatische Kraut wird traditionell gern mit Hülsenfrüchten kombiniert, weil es deren Geschmack unterstreicht und gleichzeitig eine angenehme Würze mit leicht pfeffriger Note einbringt. Gerade in herzhaften Teigen oder Füllungen entfaltet Bohnenkraut eine feine Tiefe, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
Was ich an Bohnenkraut besonders schätze, ist seine Bodenständigkeit. Es ist kein spektakuläres Trendgewürz, sondern eher ein stiller Begleiter, der seit Jahrhunderten in europäischen Küchen verwendet wird. Vielleicht passt es gerade deshalb so gut zu einem Gericht, das ebenfalls ein wenig aus der Zeit gefallen scheint – ein Rotkohlrezept im Frühling. Zusammen bringen sie eine aromatische Ruhe auf den Teller, die nicht alltäglich ist, aber unbedingt probiert werden möchte.
Ich habe meinen Topf Bohnenkraut ganz frisch vom Markt geholt. Ich bin ein glühender Verehrer von frischen Kräutern! Klar, die getrocknete Variante hat einige Vorteile (muss man nicht gießen, ist immer da weil gut zu lagern etc.). Aber zum einen ist der Geschmack um einiges besser bei frischen Kräutern, als auch die Optik, die weitaus schöner ist mit den grün-leuchtenden Blättern.
Und ganz nebenbei kannst Du frisches - und ungespritztes- Bohnenkraut auch noch als Heilpflanze nutzen und Dir einen Tee machen, wenn Du Blähungen oder sonstige Magenprobleme hast.
Zutaten
Mengen für ca. 4 Personen
- 1 kgKartoffeln, mehligkochend
- 30 gvegane Butter
- 200 mlpflanzliche Milch
- 0.5 TLSalz
- 0.25 TLPfeffer
- 600 gRotkohl
- 300 gRettich, schwarz
- 70 gApfel
- 100 gZwiebeln
- 1 St.Knoblauchzehen
- etwasBratöl
- 1.5 TLSalz
- 0.5 TLPfeffer
- 1 TLKümmel, gemahlen
- 0.5 Bd.Petersilie, gehackt
-
oder alternativ
3 ELPetersilie, getrocknet - 10 ZweigeBohnenkraut
-
oder alternativ
1 ELBohnenkraut - 1 ELveganer Frischkäse, natur
- 20 gvegane Butter
- 50 gveganer Reibekäse
- 1.5 ZweigeBohnenkraut
-
oder alternativ
2 handvollPetersilie, gehackt
- 70 gApfel
-
Alternativposition
1 ELBohnenkraut - 11.5 ZweigeBohnenkraut
- etwasBratöl
- 1 kgKartoffeln, mehligkochend
- 1 St.Knoblauchzehen
- 1 TLKümmel, gemahlen
- 0.5 Bd.Petersilie, gehackt
-
Alternativposition
2 handvollPetersilie, gehackt -
Alternativposition
3 ELPetersilie, getrocknet - 0.75 TLPfeffer
- 300 gRettich, schwarz
- 600 gRotkohl
- 2 TLSalz
- 100 gZwiebeln
- 200 mlpflanzliche Milch
- 50 gvegane Butter
- 1 ELveganer Frischkäse, natur
- 50 gveganer Reibekäse
Zubereitung
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Kartoffelpüree
Kartoffeln schälen, in Salzwasser gar kochen und ab schütten. Vegane Butter auf die warmen Kartoffeln geben und schmelzen lassen. Pflanzenmilch dazu geben und die Kartoffeln stampfen.
Mit Salz und Pfeffer abschmecken. -
Gemüse
Während die Kartoffeln kochen kannst Du das Gemüse zubereiten. Dazu vom Rotkohl ggf. die äußeren Blätter entfernen, wenn sie sehr vertrocknet oder unschön sind. Danach den Kohl vierteln, Strunk heraus schneiden und in feine Streifen hobeln oder schneiden.
Den Rettich und Apfel schälen, Kerngehäuse entfernen und beides raspeln.Zwiebeln und Knoblauch abziehen, würfeln und in einem Topf oder großen Pfanne in 2-3 EL Öl glasig dünsten. Gemüse und Gewürze hinzufügen und bei mittlerer Hitze bissfest / gar kochen lassen.
Petersilie hacken, die Bohnenkrautblätter von den Stielen zupfen und zum Schluss mit dem veganen Frischkäse unterheben und abschmecken.
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Pie backen
Eine Auflaufform etwas einfetten und zuerst das Gemüse hinein geben und darüber den Kartoffelstampf verteilen.
Vegane Butter in kleinen Flöckchen und den veganen Reibekäse drüber geben. Im vorgeheiztem Ofen bei 200 Grad Ober- /Unterhitze 30 Minuten backen.
