Der Januar ist in unserer solidarischen Landwirtschaft immer eine besondere Zeit. Die Felder liegen größtenteils ruhig, das Wachstum verlangsamt sich spürbar und auch der Inhalt der Ernteeinheiten wird überschaubarer. Genau das gehört zum Prinzip der Solawi dazu: Wir teilen nicht nur die Fülle, sondern auch die Knappheit. Statt prall gefüllter Kisten gibt es jetzt weniger Auswahl, dafür umso mehr Wertschätzung für das, was gerade da ist. Umso schöner ist es, wenn sich einzelne Gemüseschätze über mehrere Wochen halten und dann genau im richtigen Moment ihren großen Auftritt bekommen.
So ging es mir mit diesem Spitzkohl. In der Woche vor meinem Geburtstag hatten wir einen besonders großen, prachtvollen Kopf in der Kiste. Durch zwei Abende auswärts essen blieb er zunächst unangetastet, geduldig im Kühlschrank wartend. In der darauffolgenden Ernteeinheit im Januar waren dann Karotten enthalten – bodenständig, zuverlässig, wie so oft in dieser Jahreszeit. Plötzlich war klar: Diese beiden Gemüsesorten wollten zusammen gedacht werden. Gerade jetzt, wo die Auswahl kleiner wird, entstehen oft die stimmigsten Kombinationen.
Spitzkohl und Karotten sind für mich typische Solawi-Gemüse. Sie begleiten uns fast durchs ganze Jahr, offiziell etwa von Mai bis November, und dank Folientunneln manchmal sogar noch darüber hinaus. Dass wir beide schon früh so schöne Exemplare bekommen haben, zeigt, wie sehr sich saisonales Arbeiten weiterentwickelt hat, ohne seinen Grundgedanken zu verlieren. Der Spitzkohl war zart, hell und überraschend fein, die Karotten süß und saftig – genau die Art von Qualität, die man schmeckt, wenn Gemüse frisch geerntet wird und keine langen Wege hinter sich hat.
Spitzkohl wird meiner Meinung nach oft unterschätzt. Er steht im Schatten von Weiß- und Rotkohl, dabei ist er deutlich milder, feiner strukturiert und unglaublich vielseitig. Gerade in warmen, cremigen Gerichten zeigt er, was er kann, weil er Aromen gut aufnimmt, ohne sich selbst zu verlieren. Karotten bringen dazu eine natürliche Süße mit, die besonders in der kalten Jahreszeit gut tut. Sie machen ein Gericht weich, rund und ein kleines bisschen tröstlich – etwas, das ich im Winter sehr schätze.
