Oh lala, die französische Küche hat mich gerade gepackt. Letzte Woche habe ich ein so leckeres Rezept für ein Blanquette (veganes Kalbs-Ragout) gemacht, und diese Woche gab es unseren letzten Butternutkürbis für diesen Herbst, bzw. Wintersaison. Danach warten nur noch 2 mittlere Hokkaidos und ein Eichelkürbis auf ihren Einsatz. Aber zurück zum Rezept meiner Kürbissuppe à la française...
Für diese Interpretation habe ich mich ganz bewusst für einen Butternut-Kürbis entschieden. Nicht nur, weil ich seinen leicht nussigen Geschmack liebe, sondern vor allem wegen seines festen oberen Teils, dem berühmten „Halsteil“. Der ist prädestiniert dafür, in schöne, gleichmäßige Scheiben geschnitten zu werden. Genau das habe ich gebraucht, um das nachzuahmen, was bei der klassischen französischen Zwiebelsuppe einfach dazugehört: die überbackene Brotscheibe mit Käse. In meinem Fall also Kürbisscheiben mit veganem Käse. Eine Kürbis-Käsehaube sozusagen.
An dieser Stelle muss ich allerdings eine kleine, ehrliche Küchenbeichte ablegen. Der vegane Käse war… sagen wir: ambitioniert. Schmelzen konnte er hervorragend, wirklich vorbildlich. Knusprig werden? Eher nicht. Statt goldbrauner, leicht knackiger Kruste bekam ich eine sehr überzeugende Superschmelzkäse-Performance. Cremig, weich, ziehend – aber eben ohne Röstaromen. Man kann nicht alles haben. Und vielleicht ist das auch okay so. Schließlich geht es beim Kochen ja nicht immer um Perfektion, sondern um Ideen, Spielereien und manchmal auch um kleine Enttäuschungen, über die man später schmunzelt.
Kürbissuppe neu interpretiert
Geschmacklich hat die Suppe dafür absolut überzeugt. Der Kürbis wurde mit der Käsehaube im Ofen gebacken, und hätte bei dem richtigen Käse sicherlich tolle Röstaromen entwickelt. Dafür bekamen die karamellisierten Zwiebeln richtig viel Zeit um süßlich und tief zu werden. Ein etwas größerer ;-) Schuss Weißwein (natürlich vegan), kräftige Gemüsebrühe, etwas Knoblauch, Sherry, Balsamico und Geduld – mehr braucht es eigentlich nicht, um dieses französische Suppengefühl aufkommen zu lassen. Und plötzlich saß ich gedanklich nicht mehr in meiner Küche, sondern irgendwo in einem kleinen Bistro, während draußen der Herbstregen gegen die Scheiben prasselt.
Warum ich aktuell überhaupt so auf einem französischen Trip bin, kann ich selbst nicht so ganz erklären. Vielleicht liegt es noch am Provence-Motto, das ich vor einigen Wochen gekocht habe und das offenbar nachhaltiger gewirkt hat als gedacht. Oder es ist die Erinnerung an die klassische französische Zwiebelsuppe, die ich für „das heini“ gekocht habe, kurz bevor wir in die Winterpause gegangen sind. Diese Suppe hatte damals etwas sehr Tröstliches, fast Abschließendes – vielleicht wollte ich dieses Gefühl noch einmal aufgreifen, nur eben in Kürbisform.
So oder so: Diese Kürbissuppe ist für mich ein schönes Beispiel dafür, wie man bekannte Klassiker neu denken kann, ohne ihnen den Charakter zu nehmen. Sie ist gemütlich, herzhaft, ein bisschen experimentell und absolut herbst- bzw. wintertauglich. Und selbst wenn der vegane Käse nicht ganz das gemacht hat, was ich mir vorgestellt habe, würde ich sie jederzeit wieder kochen. Vielleicht dann mit einer anderen Käsealternative. Oder einfach ohne Anspruch auf Knusper, dafür mit umso mehr Seele.
Frankreich ist damit abgehakt – zumindest suppentechnisch. Mal sehen, wohin die Kürbisreise als Nächstes geht. Italien? Schweiz? Oder doch wieder zurück nach Hause? Der Kürbis wird es mir hoffentlich verzeihen. Wenn Du derweil Lust auf Asien in Deiner Kürbissuppe hast, dann schau Dir unbedingt die Interpretation einer Laksa lemak aus Malaysia an.
Zutaten
Mengen für ca. 4 Personen
- 800 gZwiebeln
- 2.5 St.Knoblauchzehen
- 60 gvegane Butter
- 100 mlWeißwein, trocken
- 1 lkräftige Gemüsebrühe
- 2 ELSherry
- 2 ELBalsamicoessig, Bianco
- etwasSalz
- etwasPfeffer
- 600 gButternut Kürbis
- 1 St.Knoblauchzehen
- 150 gveganer Reibekäse
- 0.5 Bd.Schnittlauch, gehackt
Zubereitung
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Kürbis vorbereiten
Butternut schälen, evtl. entkernen, in ca. 1 cm dicke Scheiben schneiden und auf ein Backblech mit Backpapier ausbreiten.
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französiche Zwiebelsuppe
Zwiebeln schälen und in feine Ringe schneiden. Knoblauch abziehen und fein würfeln.
Alsan in einem großen Topf schmelzen lassen, Zwiebeln und Knoblauch hinzufügen und bei geringer Hitze 20-30 Minuten anbraten bis die Zwiebelringe weich und angebräunt sind. Hin und wieder umrühren, damit sie nicht anbrennen.
Die Zwiebeln mit Weißwein ablöschen und damit das Brät vom Boden lösen.
Brühe, Sherry und Balsamico hinzufügen, noch 10-15 Minuten köcheln lassen und final abschmecken. -
Kürbis backen
Während die Zwiebelringe anbräunen, bzw. die Suppe vor sich hin köchelt, kannst Du schon die Kürbisse vorbereiten.
Dazu die letzte Knoblauchzehe abziehen und die Kürbisscheiben damit von beiden Seiten einreiben und den Käse gleichmäßig auf der Oberseite verteilen. Nach Bedarf können sie vorher auch mit etwas Öl eingepinselt werden, aber durch den Käse sind sie feucht genug und werden in der Regel auch ohne weich.
Je nach Käseart und Geschmack noch etwas salzen und im Ofen bei 160 Grad Ober- Unterhitze ca. 30 Minuten backen, bis sie weich sind. Sollte der Käse noch nicht braun sein, der Kürbis aber schon weich genug, kann man es auch noch mit der Grillfunktion versuchen. Ich hatte leider keinen ausgesprochenen Grillkäse, daher wurde er auch nicht richtig kross/braun.
