Kochen in lecker!
"Ruhrgebiet" als Kochmotto mag ich. Da kenne ich mich mit aus. Immerhin komme ich aus dem Pott.
Und was es bei uns am Samstg oft gab, war Erbsensuppe! Gehörte in meiner Kindheit dazu wie der Badetag. Es gab nicht jeden Samstag Erbsensuppe, häufig auch Eintopf. Und er war nicht auf einen Wochentag beschränkt, sondern verteilte sich über die ganze Woche.
Ein Eintopf ist mir dabei sehr im Gedächtnis geblieben, weil ich ihn unglaublich gerne mochte, und mir das Gemüse bis zu unserem Bio-Bauernhof Eintritt auch nicht mehr unter gekommen ist: Stielmus! Klassisch haben wir den Stielmus-Eintopf natürlich noch mit Mettwurst gegessen. Und vor allem mit viel Senf! Heutzutage gibt es ganz fantastische vegane Würstchen, die dem Eintopf einen deftigen Geschmack geben. Natürlich mit ordentlich Senf.
Bei diesem Motto-Kochabend haben wir den Eintopf als Vorspeise gegessen, denn für den Hauptgang habe ich mich für eine optische Essens-Umsetzung des Themas Ruhrgebiet entschieden.
Das erste womit diese Region untrennbar verbunden ist, die Kohle! Herne, Gelsenkirchen, Essen, Bochum, Bottrop ... nichts ging ohne die Zeche. Ganz nebenbei: Hasse im Pütt gearbeitet, hasse auch immer einen Henkelmann mitgehabbt. Und wennse Schmacht hattes, dann gabbet auch gerne mal nen ordentlichen Stielmuseintopf auffe Kelle!
Aber zurück zum Thema Optik, bzw. inhaltliche Umsetzung...
Ich wollte gerne Kohle ins Essen bringen. Verarbeitet hatte ich es ja schon mal bei der "Italienischen Nacht".
Theoretisch also machbar, in der benötigten Menge aber vermutlich ungenießbar. Daher habe ich mich für schwarze Linsen entschieden. Diese müssen nur irgendwie unter der Erde im Stollen liegen. Ein paar wilde Gedankenspiele weiter bin ich bei einem weiterem Lieblingsessen meiner Kindheit angelangt: Kohlroulade - damals nach klassisch mit Hackfleisch gefüllt. Hier werden die Wirsingblätter mit besagten schwarzen Linsen als Kohle und Gemüse gefüllt und zu einer astreinen veganen Kohlroulade a la Bergwerksstollen umfunktioniert. Mit richtig viel Umami-Bratensoße als Erd-Ersatz und Petersile für die Begrünung auf dem Stollen. Denn mag es nicht glauben, aber das Ruhrgebiet ist unglaublich grün.
Pura Vegana!
Mengen für ca. 4 Personen
Stielansatz vom Stielmus abschneiden und die Stiele mit Blättern klein schneiden. Gründlich waschen und in einem Sieb abtropfen lassen.
Kartoffeln schälen und in kleine Würfel schneiden.
Zwiebeln abziehen, würfeln und in Rapsöl glasig dünsten.
Die restlichen Zutaten hinzufügen und bei mittlerer Hitze und geschlossenem Deckel köcheln lassen bis die Kartoffeln gar sind. Dabei immer wieder umrühren. Sollte der Eintopf zu flüssig sein, kann man die letzten 10 Minuten den Deckel ablassen, damit die Flüssigkeit etwas verkocht.
Mengen für ca. 8 Stück
Sellerie und Möhre schälen und in gleichgroße Stücke schneiden. Die Champignons säubern und ebenfalls klein schneiden.
Die Zwiebeln schälen, würfeln und in einer großen Pfanne in Öl kurz andünsten. Tomatenmark hinzufügen und unter rühren weiter braten, bis sich Röstaromen bilden. Das Gemüse dazu geben und ein paar Minuten mit rösten. Danach mit Rotwein ablöschen und den Alkohol etwas verkochen. Zum Schluss die Gemüsebrühe mit den Gewürzen hinzufügen und 20-30 Minuten köcheln lassen bis das Gemüse weich ist und die Soße mit dem Pürierstab püriert werden kann.
Während die Soße köchelt die Sojaschnetzel in Wasser oder Brühe einweichen und nach dem pürieren zur Soße hinzugeben und alles abschmecken.
Die Soße kann man auch gut am Vortag vorbereiten. Ansonsten bei kleiner Flamme warm halten bis die Rouladen fertig sind.
Wirsingblätter vorsichtig vom Wirsing lösen und den Strunk abflachen, also die Erhebung abschneiden, damit das Blatt biegsam wird. In einem großen Topf oder hohen Pfanne Wasser zum kochen bringen und die Kohlblätter blanchieren, dass sie weich genug zum rollen aber noch fest genug sind, so dass sie nicht zerfallen. In ein Sieb oder auf ein Tuch legen und gut abtropfen lassen und etwas abtupfen oder vorsichtig ausdrücken. Je weniger Wasser sich noch an den Blättern befindet, desto weniger spritz es später beim anbraten.
Die Linsen in der doppelten Menge Wasser mit der Brühe bei mittlerer Hitze bisfest garen. In der Regel ist es so weit, wenn kein Wasser mehr im Topf ist. Sonst das Wasser abgießen.
In der Zwischenzeit die Frühlingszwiebeln säubern, in sehr feine Ringe schneiden und mit den restlichen Zutaten zu den gekochten Linsen geben und gut mischen.
Nun jeweils 2 Kohlblätter seitenverkehrt auslegen, so dass sie sich in der Mitte überlappen. Bei kleineren Blättern sollten 3 genommen werden, damit sie noch die Füllung halten.
Die Füllung auf die Mitte der 8 Rouladen aufteilen und dann jeweils erst die Seiten über der Füllung einklappen, (damit die Seiten später geschlossen sind und die Füllung nicht rausfällt) und danach an der unteren Seite anfangend die Füllung einrollen. Mit einem Band einwickeln.
In einer Pfanne das Bratöl erhitzen und die Kohlroulanden von allen Seiten scharf anbraten. Bei geschlossenem Deckel noch ein paar Minuten durchgaren lassen.
Die Bratensoße auf einen Teller geben, jeweils 2 Kohlrouladen drauf legen und mit Kresse, Sprossen oder Petersilie garnieren.