Veganes Weihnachtsessen jenseits des klassischen Festtagsbratens
Während sich die vegane Social-Media-Welt im Dezember gefühlt kollektiv auf Braten mit Rotkohl und Klößen eingeschossen hatte, sah unser Heiligabend ein wenig anders aus. Kein perfekt drapierter Festtagsbraten, kein Messerwetzen am Tisch, kein Vergleich mit Oma früher. Stattdessen stand bei uns ein großer Topf auf dem Herd, aus dem es sahnig, leicht süßlich und einfach nur gemütlich duftete. Darin: ein veganes Ragout, in Frankreich würde man Blanquette dazu sagen, das sich ganz leise, aber nachhaltig in mein Herz – und inzwischen auch in meine Sammlung liebster veganer Rezepte – gekocht hat.
Die Entscheidung dafür war weniger ideologisch als praktisch. Ein Blick in unsere Gemüsekiste reichte: Der Rotkohl war für den zweiten Feiertag verplant, blieben noch die Möhren und Porree in Bestform. Genau richtig für die kühlere Jahreszeit. Herbst-Winter-Gemüse, wie ich es liebe – unkompliziert, regional, saisonal. Ergänzt wurde das Ganze durch ein paar Champignons aus dem Kühlschrank (denn die Bratenvariante mit der besten Bratensoße ever gab es bei uns auch, aber ich hatte ein paar Champignons übrig) und eine Handvoll TK-Erbsen, die bei mir ohnehin immer als Joker bereitliegen. Keine ausgefallenen Zutaten, kein Stress, sondern ein Gericht, das genau das verkörpert, was ich mir unter alltagstauglicher veganer Rezept-Inspiration vorstelle.
Saisonal kochen: Veganes Ragout mit Herbst-Winter-Gemüse
Dieses vegane Ragout ist für mich der beste Beweis dafür, wie gut saisonales Kochen funktionieren kann – gerade im Winter. Möhren bringen Süße und Farbe, Porree eine feine Würze, Champignons sorgen für Tiefe und Umami. Die Erbsen setzen kleine frische Akzente, die das Gericht trotz seiner Cremigkeit leicht wirken lassen. Alles zusammen verbindet sich in einer hellen, sanften Sauce, die nicht beschwert, sondern wärmt.
Als Basis dienen Sojaschnetzel, die hier ganz bewusst als Fleischersatz eingesetzt werden. Und ja, ich war anfangs skeptisch. Ragout gehörte früher zu den Gerichten, die ich konsequent gemieden habe. Umso überraschender war es, wie sehr mich die vegane Variante überzeugt hat. Vielleicht gerade, weil sie nicht versucht, Kalbsgeschmack zu imitieren. Sie erinnert daran – in Optik, Konsistenz und diesem leicht süßlichen, milden Geschmack –, bleibt aber eigenständig.
